Portraitminiaturen von 1590-1890

Portraitminiaturen sind, wie es der Name vermuten lässt, handgemalte Portraits kleinster und allerkleinster Größenordnung, von einer Höhe zwischen weniger als einem Zentimeter bis zu etwa zwanzig/fünfundzwanzig Zentimetern, oder manchmal auch größer. Sie erfüllten seit Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Zeit der Erfindung und Verbreitung der Photographie Mitte des 19. Jahrhunderts genau deren Aufgabe, nämlich das möglichst ähnliche Bildnis eines geliebten Wesens bei sich tragen zu können; oder auch sich eine Idee vom Äußeren einer Person zu machen, die man noch nicht kennt, aber wohl kennenlernen wird.

Von den derzeit fast 300 Miniaturen der Sammlung Liaunig wird dank modernster Museumstechnik eine repräsentative Auswahl von 100 zwischen 1590 und 1890 in Europa entstandenen Stücken in einer großzügig angelegten  Vitrinenlandschaft gezeigt. Der Bogen der präsentierten Exponate spannt sich vom Elisabethanischen Zeitalter mit Hilliard über Cooper, Smart und Cosway bis hin zum frühen 19. Jahrhundert. Kontinentale Schulen umfassen Meisterwerke von Petitot, Liotard, Füger, Isabey und Daffinger, dem bekanntesten Miniaturmaler des Wiener Biedermeiers.  

Zahlreiche Portraits zeigen historische Persönlichkeiten und deren Nachkommen. So sind die Habsburger stark vertreten, von Kaiserin Maria Theresia, ihrem Gemahl und den Töchtern Maria Anna und Marie-Antoinette, bis hin zur Kaiserin Sisi. Aber auch die anderen europäischen Königshäuser und politische Gegenspieler der Habsburger sind zu sehen, wie der Preußenkönig Friedrich der Große und Kaiser Napoleon. Die französischen Bourbonen sind mit zahlreichen Kleinbildnissen König Ludwigs XV. und seiner Nachfolger, bis hin zum letzten französischen König Louis-Philippe aus dem Hause Bourbon-Orleans bestens in der Sammlung repräsentiert. Die europäischen Fürsten verteilten auch gerne wertvolle (Werbe)-Geschenke, oftmals in Form von diamantbesetzten Orden oder kostbaren goldenen Schnupftabakdosen, die mit dem kleinen Bildnis des Herrschers geschmückt waren. 

Darüber hinaus enthält die Sammlung Liaunig besonders viele Bildnisse aus der politisch wirren Periode des englischen Bürgerkrieges zur Zeit Oliver Cromwells Mitte des 17. Jahrhunderts, ebenso wie zahlreiche Portraits aus den Jahren der französischen Revolution und der darauf folgenden Napoleonischen Kriege, zwischen 1790 und 1815.

Die Portraitminiaturen-Sammlung wurde von Dr. Bodo Hofstetter wissenschaftlich aufgearbeitet und in einem Katalog, der anlässlich der Museumserweiterung erschienen ist, publiziert.